Foto: Sven Lorenz/RWI

Drei Personen aus dem VDCH debattierten am 14.11. gegen prominente Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft

Anlässlich des jährlichen Wirtschaftsgesprächs vom RWI-Institut für Wirtschaftsforschung durften Julia Engel, Jan Ehlert und Anton Leicht in der Essener Philharmonie in einem neuen Format öffentlich debattieren. Ihnen gegenüber standen die Bonner Professorin Isabel Schnabel, Valerie Holsboer, ehemals Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, und Professor Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung (SVR).

„Sollen Sparer für marode Banken in anderen europäischen Ländern haften?“

In der ersten Debatte trat Julia Engel aus Kiel gegen Prof. Isabel Schnabel an. Prof. Isabel Schnabel, von der Bundesregierung unlängst für das EZB-Direktorium vorgeschlagen, ist ebenfalls Mitglied im SVR und konnte ihre Expertise auf der Pro-Seite dieses Themas einsetzen: Sie plädierte für mehr Sicherung von Bankguthaben für alle europäischen Bürgerinnen und Bürger und rief zur Vermeidung zukünftiger Unwägbarkeiten und Krisen auf. Julia entgegnete, die mangelnde Bereitschaft von Sparern in Deutschland, für ausländische Banken geradezustehen, wäre, gerade in euroskeptischen Zeiten, ein klarer Ausschlussgrund für eine solche supranationale Haftung.

Foto: Sven Lorenz/RWI

„Braucht die digitalisierte Arbeitswelt ein bedingungsloses Grundeinkommen?“

In der zweiten Debatte debattierte der ehemalige VDCH-Präsident Jan Ehlert aus Tübingen gegen Valerie Holsboer, ehemals Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, über die Zukunft der Arbeitswelt. Von der Pro-Seite führte Jan die anstehenden paradigmatischen Veränderungen durch Digitalisierung  und die momentane finanzielle Ungleichheit an und rief zur Umverteilung und Sicherung durch ein bedingungsloses Grundeinkommen auf.  Die Erwiderung von Frau Holsboer war ein starkes Plädoyer für das bestehende System: Sie warnte vor überstürzter Revolution und argumentierte, Deutschland solle sich, gerade im internationalen Vergleich, glücklich schätzen, effektive und gute Sozialsysteme und eine hohe Beschäftigungsquote zu haben.

„Soll die Politik einen CO2-Preis einführen?“

In der dritten und letzten Debatte diskutierte VDCH-Vizepräsident Anton Leicht aus Münster gegen Prof. Christoph M. Schmidt die Möglichkeiten des Klimaschutzes. Prof. Schmidt argumentierte für eine konsequente Bepreisung von CO2. Zuvor hatte er das Gleiche schon in einem Sondergutachten an die Bundesregierung getan. Unter Anderem führte er die Effektivität, geringe disruptive Wirkung auf die Wirtschaft und Flexibilität einer Bepreisung sowie ihren sinnvollen Umgang mit eventuellen sozialen Schieflagen als Argumente an. Anton entgegnete, der Staat würde seiner moralischen Verantwortung durch eine Bepreisung nicht gerecht werden und müsse Verbote implementieren: Es sei zu befürchten, dass ein CO2-Preis soziale Ungleichheiten verstärkt und der Staat hinter seiner Verpflichtung, seine Bürgerinnen und Bürger vor schädlichen Verhaltensweisen zu schützen, zurückbleibt.

Foto: Sven Lorenz/RWI

Wir freuen uns sehr, die Gelegenheit gehabt zu haben, das Format der argumentbasierten, geregelten und respektvollen Debatte einem aufgeschlossenen Publikum und damit einer weiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Unsere Rednerinnen und Redner haben viel aus der Begegnung und den Debatten mitnehmen können und wir hoffen, auch in der Zukunft zu ähnlichen Gelegenheiten weiter eine konstruktive Streitkultur in die Gesellschaft zu tragen. Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Schnabel, Frau Holsboer und Prof. Schmidt für die Debatten sowie dem RWI für die Einladung!