Während einer Debatte wird unter festen Regeln eine aktuelle Fragestellung aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft beleuchtet. Ein Team vertritt die Argumente der Pro-Seite, das andere die der Contra-Seite. Jedes Team hat 15 Minuten Vorbereitungszeit, in der Debatte hält jedes Teammitglied eine siebenminütige Rede. Durch das Setzen eines begrenzten Zeitrahmens ist eine erschöpfende Wahrheitsfindung praktisch nicht möglich. Dadurch ist es umso wichtiger, seinen Standpunkt klar und präzise darzustellen. Welches Team welche Seite vertritt, wird vor der Debatte ausgelost.

Wozu debattieren? Licht aus – Spot an!

(c) Debattierclub Wien, Jakob Reiter

(c) Debattierclub Wien, Jakob Reiter

Durch das Debattieren wird eine lebendige Rede- und Streitkultur – Grundlage einer jeden demokratischen und pluralistischen Gesellschaft – gefördert. Ein Redner muss nicht nur glaubwürdig seine Position vermitteln, er muss auch argumentativ überzeugen und, nicht zuletzt, durch das Wecken von Emotionen die Herzen seiner Zuhörer erreichen.

Diese Fähigkeiten eines Redners werden im Kontext der Debatte geübt, indem sich die Teams auch in unbekannte Fragestellungen und Positionen hineindenken. Ganz wichtig ist es hierbei, auch den Argumenten der Gegenseite aufmerksam zu zu hören und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es wird also nicht nur das Redekompetenz geschult, sondern auch die Fähigkeit das Gegenüber ernst zu nehmen und ausreden zu lassen.

Woher kommt das Debattieren?

Lennart Lokstein

(c) privat

Das Debattieren an Hochschulen hat eine lange Tradition: In Großbritannien beispielsweise wurde der erste Debattierclub bereits 1815 an der Universität von Cambridge gegründet. In den USA gehört das Debattieren zur Schulausbildung ebenso wie der Schulsport. Seit vielen Jahren messen sich die Clubs in landesweiten und internationalen Turnieren.

Seit Anfang der 1990er Jahre zeigt sich auch in Deutschland ein neuer Trend: Vorreiter waren einige Studenten an der Tübinger Universität, die 1991 die Tübinger Debatte gründeten. Seitdem sind jedes Jahr weitere Debattierclubs in ganz Deutschland dazugekommen, 2001 fand die erste Deutsche Meisterschaft im Debattieren in Berlin statt. Inzwischen gibt es über 70 Debattierclubs im deutschsprachigen Raum.

Wer jedoch meint, dass es im Debattierclub immer ernst zugeht, liegt falsch. Der Debattierclub ist in erster Linie ein Ort zum Üben und Ausprobieren. Was die Themen angeht, sind der Phantasie fast keine Grenzen gesetzt.

Was brauche ich, um mitzumachen?

Schon Cicero wusste: „Reden lernt man nur durch Reden“. Besondere Vorkenntnisse sind also nicht erforderlich, entscheidend ist allein der Spaß am Debattieren. Das Rhetoriktraining kann auch zur Persönlichkeitsentfaltung beitragen: Wer kennt nicht die Angst, vor einer Menschenmenge zu stehen und etwas Sinnvolles sagen zu müssen? Diese Angst wird im Debattierclub in einer lockeren Atmosphäre abgebaut. Du kannst also gleich loslegen und dir einen Debattierclub in deiner Nähe suchen!