Während einer Debatte wird unter festen Regeln eine aktuelle Fragestellung aus Politik oder Gesellschaft gemeinsam diskutiert, wobei ein Teil der Redner für und der andere Teil gegen die zur Entscheidung stehende Frage Stellung bezieht. Durch das Setzen eines begrenzten Zeitrahmens ist eine erschöpfende Wahrheitsfindung praktisch nicht möglich, wodurch es aber um so wichtiger wird, sich kurz zu fassen und seinen Standpunkt dennoch im Wesentlichen darzustellen. Ob die vertretene Meinung auch der tatsächlichen entspricht, ist dabei nicht ausschlaggebend.
Wozu debattieren? Licht aus – Spot an!
Durch das Debattieren wird eine lebendige Rede- und Streitkultur – Grundlage einer jeden demokratischen und pluralistischen Gesellschaft – gefördert. Darüber hinaus fördert das Debattieren argumentative Schärfe sowie Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft. Ein Redner muss nicht nur glaubwürdig seine Position vermitteln, er muss auch Argumentativ überzeugen und, nicht zuletzt, durch Emotionen die Herzen seiner Zuhörer erreichen.
Diese Fähigkeiten eines Redners werden im Kontext der Debatte geübt, in dem sich die Teams auch in unbekannte Fragestellungen und Positionen hineindenken müssen. Dabei sollen sie auch den Argumenten der anderen Seite Gehör schenken und darauf regaieren zu können. Es wird also nicht nur das Reden geschult, sondern auch das Hinhören und Ausredenlassen.
Woher kommt das Debattieren?
Das Debattieren an Hochschulen hat eine lange Tradition: In Großbritannien beispielsweise wurde der erste Debattierclub bereits 1815 an der Universität von Cambridge gegründet. Debattierclubs sind dabei Vereinigungen von Studenten, die ihre rhetorischen Fähigkeiten weiterentwickeln und die Streitkultur pflegen wollen. In den USA gehört das Debattieren zur Schulausbildung ebenso wie der Schulsport. Seit etlichen Jahren messen sich die Clubs in landesweiten und internationalen Turnieren.
Seit Anfang der 1990er Jahre zeigt sich auch in Deutschland ein neuer Trend: Vorreiter waren einige Studenten an der Tübinger Universität, die 1991 die Tübinger Debatte gründeten. Seit dem sind jedes Jahr weitere Debattierclubs in ganz Deutschland dazugekommen, 2001 fand die erste Deutsche Meisterschaft im Debattieren in Berlin statt. Inzwischen gibt es über 70 Debattierclubs im deutschsprachigen Raum.
Wer jedoch meint, dass es im Debattierclub immer ernst zugeht, liegt falsch. Der Debattierclub ist in erster Linie ein Ort zum Üben und Ausprobieren. Was die Themen angeht, sind der Phantasie fast keine Grenzen gesetzt.
Reinhören: Simon Herrmann im Finale der Deutschen Debattiermeisterschaft 2004
zum Thema “Gates ist wichtiger als Goethe”
Was brauche ich, um mitzumachen?
Schon Cicero wusste: “Reden lernt man nur durch Reden”. Besondere Vorkenntnisse sind also nicht erforderlich, entscheidend ist allein der Spaß am Debattieren. Das Sprechtraining kann auch zur Persönlichkeitsentfaltung beitragen: Wer kennt nicht die Angst davor, vor einer Menschenmenge zu stehen und etwas Sinnvolles sagen zu müssen. Diese Angst wird im Debattierclub in einer lockeren Atmosphäre abgebaut. Zwar kann auch ein Rhetorikkurs nicht schaden – aber nur die ständige Übung, die der Debattierclub bietet, kann er jedoch nicht ersetzen, denn reden lernen kann man nur durch Reden. Du kannst also gleich loslegen und dir einen Debattierclub in deiner Nähe suchen!



Dann such jetzt nach dem Debattierclub an deiner Universität mit der Debattierlandkarte des deutschprachigen Raumes! 



