Finale der Deutschen Meisterschaft 2010 im British Parliamentary Style: links die Regierung, rechts die Opposition

Finale der Deutschen Meisterschaft 2010 im British Parliamentary Style: links die Regierung, rechts die Opposition

Das Debattieren folgt festen Regeln, damit die Debatte eine Form bekommt und die Streitfrage von allen Seiten beleuchtet wird. Aus diesem Grund gibt es immer eine Pro- und eine Contra-Fraktion, die jeweils eine Seite einer klar formulierten Streitfrage vertreten muss – auf Turnieren werden die Positionen den Rednern sogar zugelost. Jede Fraktion besteht aus zwei- oder drei Rednern, die abwechselnd eine normalerweise sieben minütige Rede halten. Darin präsentieren sie die Argumentation ihrer eigenen Seite und widerlegen gleichzeitig die Argumente der Gegenseite.

Wie in einem Parlament sind Rednerabfolge, Redezeit und Fragen an den Redner durch ein Regelwerk strukturiert, damit die Debatte nicht in eine Diskussion ausartet und in „parlamentarischen“ Umgangsformen gestritten wird. Die beiden wichtigsten Regelwerke im deutschsprachigen Hochschuldebattieren sind der British Parliamentary Style und die Offene Parlamentarische Debatte. Daneben findet noch das Wartburgformat Anwendung sowie einige Formaten mit Publikumsbeteiligung.

British Parliamentary Style (BPS)

Die Regeln des BPS wurden von internationalen Turnieren adoptiert und erstmals 2001 in die deutsche Sprache übersetzt. Mittlerweile erfuhr dieses Regelwerk mehrfache Bearbeitung. Zur Verfügung steht das aktuelle Regelwerk hier in der Kurzversion und in der Langfassung. International entwickelt der World Council (für Weltmeisterschaften) sowie der European Council für das europäische Pendant die BPS Regeln weiter.

Die Debattenaufstellung im British Parliamentary Style

Die Debattenaufstellung im British Parliamentary Style

  • Insgesamt vier Teams mit je zwei Rednern nehmen an der Debatte teil: zwei auf der Regierungsseite, zwei auf der Oppositionsseite.
  • Je zwei Teams bilden eine Art Koalition, in der sie zwar gemeinsam eine Seite vertreten müssen, sich aber dennoch gegeneinander abgrenzen, in dem sie ihre eigene kohärente Argumentation führen. Für diese Abgrenzung ist vor allem der erste Redner des zweiten Teams der jeweiligen Seite zuständig.
  • Die Debatte wird durch einen Antrag der Regierung eröffnet. Auf diesen Antrag reagiert der erste Redner des eröffnenden Teams der Opposition. Regierung und Opposition tragen ihre Pro- und Contra-Argumente vor. Zum Abschluss der Debatte fassen die letzten Redner die Debatte zusammen.

Offenen Parlamentarischen Debatte (OPD)

Die Regeln der OPD wurden in Tübingen entwickelt und kamen im Dezember 2001 dort zum ersten Mal auf einem Turnier zum Einsatz. Herausragendes Merkmal ist die Hinzunahme einer dritten, neutralen Rednerpartei (neben Pro und Contra nun die Freien Redner). Die Regeln stehen in einer Kurzfassung und einer kommentierten Langfassung zur Verfügung. Streitkultur, der Tübinger Debattierclub, unterhält daneben eine umfassende Internetpräsenz mit weiteren Informationen über dieses Format.

Die Debattenaufstellung in OPD

Die Debattenaufstellung in OPD

  • In OPD nehmen nur zwei Teams an der Debatte Teil, die dafür je drei Redner haben. Je zwei Redner tragen abwechselnd ihre Argumentation vor.
  • Die freien Redner unterstützen anschließend nach Prüfung der vorgetragenen Pro- und Contra-Argumente entweder die Regierung oder die Opposition mit ihrer Rede und repräsentieren das Publikum. Im Anschluss erhält die nicht unterstützte Fraktion noch einmal die Möglichkeit, den freien Redner argumentativ umzustimmen.
  • Die Schlussredner fassen die Debatte zusammen.